
Lange bevor ich nach Madrid gezogen bin, wusste ich eigentlich schon recht viel über diese Stadt und die Gewohnheiten der Madrilenen, ohne dass mir dies richtig bewusst war. Während eines Sprachaufenthaltes sah ich meinen ersten Film von Almodóvar in einem Kino. Der Film hieß „Kika“ (1993) und ich war fasziniert von den Farben und den überspitzten Figuren. Ich hatte Blut geleckt und wollte weitere Filme von ihm sehen, aber auch mehr über diesen „mysteriösen“ Regisseur in Erfahrung bringen, über den mehr geschrieben und diskutiert wird als über die Darsteller in seinen Filmen.
Markenzeichen seiner Filme ist, dass sie überwiegend in Madrid spielen. Pepas Loft in „Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs“ befindet sich im Stadtviertel Retiro, während die Wohnung der Autorin Leo aus „Mein blühendes Geheimnis“ direkt an der Gran Vía bei Plaza de Callao liegt. Sein erster Film „Pepi, Lucí und Bom“, ist retrospektiv betrachtet ein Zeitzeugnis, weil dieser Film während der Madrider „Movida“ zwischen 1979 und 1980 entstanden ist. Er zeigt auf wie die jungen Menschen damals ihre „Befreiung“ auslebten, mit Punkmusik, Partys, Alkohol, Drogen und durch Kreativität.
Das eigentlich Sonderbare ist jedoch nicht, dass Almodóvar alle seine Filme in Madrid ansiedelt, sondern die eigentümlichen und waschechten Originale, die er in seinen Filmen naturgetreu nachbildet. Die Realität verwirrt sich mit der Fiktion. Wenn ich nämlich die Leute betrachtend durch Madrid laufe, dann stoße ich gelegentlich auf „Szenen“ aus Almodóvars Filmen in der Stadt, ohne dass dabei ein Film gedreht wird. Die Gesten, das Handeln, die Sprache, die Redewendungen, all das ist Teil der spanischen Mentalität, die ich als Betrachter vielleicht nicht immer gleich richtig einschätzen kann. Auf alle Fälle erzeugen sie unwiderruflich einen Flashback in einen seiner Filme. Jedoch die simulierte Komik im Film gilt auf der Straße als purer Ernst und kann nicht immer als Witz wahrgenommen werden. Aus diesem Grund, auch nach ein paar Jahren in Madrid, treffe ich gelegentlich auf echte Situationskomik auf offener Straße, und bin mir mehr als sicher, dass ich definitiv in Pedro Almodóvars Stadt lebe und mich auch richtig wohlfühle.
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