Friday, January 30, 2009

Ausstellung von Evi Kliemand


Aus der Finissage der Ausstellung von Evi Kliemand am 4. Januar 2009 im Engländerbau in Vaduz.

“Was siehst du nun?” Ich stand vor dem Bild, betrachtete es und suchte nach Formen, Gestalten und Bilder innerhalb des Bildes. Ich war in Evis Atelier und um mich herum standen verschiedene großformatige Acrylbilder unterschiedlicher Thematiken. Sie hatte mich gebeten, das große Schlangenbild ganz genau zu betrachten und ihr anschließend zu sagen, ob mir etwas besonderes aufgefallen war.

Ich kann mich noch heute sehr gut an den Geruch der Acrylfarben erinnern. An die Farbtöpfe, die Acrylfarben, das helle und geräumige Atelier, den hellbraunen Linoleumboden, die Farbtupfer und Farbspritzer auf dem Boden, die Schlafnische mit dem kleinen Fernseher und die robuste Holztür, die ins Freie führte. Es war für mich jedes Mal ein Ereignis in Evi Kliemands Atelien sein zu dürfen. Sie konnte manchmal ganze Tage im Atelier verbringen; es war ihr Wohn- und Arbeitszimmer. Links von mir stand die schwere Holztür, über die man über eine helle Holztreppe in den geheimnisvollen Garten gelangte. Noch immer stand ich im Atelier, schaute auf das große Schlangenbild und entschied, dass ich einen geheimnisvollen Mann mit Hut und Sonnenbrille auf der rechten Bildseite ausmachen konnte. Schlangenförmige Spuren der Zeit. Vergangenheit, Erinnerungen. 1988. Das Jahr, in dem Evi Kliemand ihren Bilderzyklus der Schlangen, der Schatten und dem verletzten Herz keierte und thematisierte. Etwa zur selben Zeit verfasste sie Die Schättin (oder die Schlangenspur), ein Buch, das heute in seinem Genre Kultstatus erreicht hat. Ich war damals 14 Jahre alt und durfte viele Stunden mit Evi zusammen verbringen, im Atelier, im Garten, in ihrer Küche. Ihr einzigartiges Kunstschaffen und ihr geheimer Kosmos beeindruckten mich, und liessen mich in eine andere Welt eintauchen.

Letztes Jahr hatte ich während ihrer Ausstellung – Vom Ort des Schauens – wieder mal die Gelegenheit ihre großformatigen Bilder und Evi selbst zu treffen, und über die Bilder in meine Vergangenheit, meine Kindheit zurückzukehren. Leider konnte ich das Bild mit dem mysteriösen Mann nicht entdecken und glaube, dass dieser für immer verschwunden ist.

Evi Kliemand (Grabs, 1946). Sie ist freischaffende Kunstmalerin und Lyrikerin. Sie wohnt in Vaduz und in der Lavadina, Liechtenstein.

http://www.ammannart.ch/main_e.htm

http://www.kunstraum.li/?page=2202&fid=0&lan=de&id=42

Tuesday, January 20, 2009

Die Schlangenspur in den geheimnisvollen Garten I


Wie war das nochmal mit der Schlangenspur? Schlangenförmige Spuren der Zeit. Vergangenheit, Erinnerungen. 1988. Das Jahr, in dem E.K. ihren Bilderzyklus der Schlangen, der Schatten und dem verletzten Herz keierte und thematisierte. Ich war zu jener Zeit 14 Jahre alt und hatte schon viele Stunden über die Jahre hinweg bei ihr zuhause oder in ihrem Atelier verbracht. Ihre Malkunst beeindruckte mich, mehr allerdings noch ihr geheimer Kosmos und Lebensstil. Ein unverzichtbarer Ort an der Lavadina war im Sommer über der Garten mit den Lärchenbäumen, den Plantanen, den Pfefferminzsträuchern, den runden weissen Steinen, die sie von den Sandbänken des Rheins geliehen hatte. Die weisse Spur, die sich wie eine träge Schlange um ihre Haus schlang. Sie führte von der Haustür am Haus vorbei und brachte den Besucher direkt in ihren wunderschönen und geheimnisvollen Garten, in ihr Reich, das sie besonders im Frühling, Sommer und Herbst zu ihrem zweiten Wohn- und Arbeitszimmer machte. Hier malte sie, spannte die grossformatigen Leinwände auf, las Bücher, schrieb auf ihrer elektrischen Schreibmaschine, trank Tee, ass und genoss ganz einfach Besuche ihrer Freunde oder einen gemütlichen Schwatz über den Gartenzaun mit ihren Nachbarn. Immer wenn ich von der Schule nach Hause kam – mein Schulweg führte mich unweigerlich an ihrem Haus vorbei – , oder ich sie an meinen freien Nachmittagen besuchte, kauerte sie oft in ihrem Garten auf der Holztreppe, die zu ihrem Atelier hinauf führte und las oder sass an ihrer Schreibmaschine und arbeitete eifrig an ihren Texten. Das Klappern ihrer Schreibmaschine inmitten des Gezwitscher der Vögel war mir bald ein vertrauter Klang. Neugierig schaute ich ihr über die Schulter, um zu sehen, was sie gerade schrieb und formulierte, “ … bald schon lag die grosse Schlange regungslos da in der Form eines verletzten Herzens …”.

Sunday, January 18, 2009

Blätterwerk I - Allein (oder vom Glanz)

Das Niemandsland, das ist: dass ein Mensch hier geboren wird durch einen Zufall, der ihn beheimatet.